Der Stadtteil der Kobolde

Einer gar wunderlichen kleinen Welt gleich liegt es nördlich des Werftkanals und bildet eine eigene, kleine Stadt, denn weder die Kobolde wollen mit den anderen Stadtbewohnern, noch diese mit den Kobolden etwas zu tun haben. Im Norden wird der Stadtteil von der alten Stadtmauer (genaugenommen dem Park, der ihren früheren Verlauf anzeigt) begrenzt. Auch der Bereich zwischen dem Werftkanal und der Speicherstadt gehört dem Viertel an. So hat sich im Laufe der Zeit eine Art Kultur entwickelt, die vollständig unabhängig von der Stadtverwaltung besteht. Die Kobolde haben alles selber: Lokale, Handwerker, Hotels und eine eigene Verwaltung.

Ein Mann von großer Statur kann problemlos über die Häuser des Koboldviertels hinwegsehen und muss darauf achten, Vordächer oder ähnliches nicht zu beschädigen. die Kobolde reagieren sehr verärgert, wenn sich ein Wesen oder ein Velen in ihren Teil der Stadt verirren sollte. Einerseits, weil sie mit niemandem etwas zu tun haben wollen und andererseits, weil sie fürchten, dass jemand etwas (wenn auch nur aus Versehen) kaputt machen könnte. Es ist auch ungewöhnlich, dass jemand freiwillig in dieses Viertel gehen will, denn es entspricht nun überhaupt nicht dem, was die übrigen Städter unter Zivilisation verstehen. Die Häuser sind bessere Lehmhütten, das Essen ist schlecht, um nicht zu sagen ungenießbar und die Straßen und Wohnungen starren vor Dreck. Kunst ist sowieso ein totales Fremdwort für die hässlichen kleinen Lebewesen, die diese Ungegend der Stadt bevölkern.

Niemand weiß so genau, womit sie ihr Geld verdienen, wenn sie überhaupt welches kennen, doch solange ihr Lebenserwerb der Stadt nicht zu Last fällt, ist das den allermeisten Städtern auch egal. Von den wirklichen Bewohnern wird dieses Viertel oft verdrängt, so dass es passieren kann, dass wenn man einen Bewohner nach diesem Viertel fragt, er keine Antworten geben kann oder will. Dieses Viertel ist genauso wie die Geisterstadt ein Zeichen für die Toleranz, die teilweise in Tredalor gegenüber Andersartigen herrscht. Menschen bilden da eine Ausnahme, was aber mehr daran liegt, dass ihnen nicht beizubringen ist, wo ihre Grenzen sind. Die Kobolde sind alles in allem ein friedliches Volk, das der Stadt keinen Ärger macht.

Alle paar Jahre, wenn sich die Beschwerden über üblen Geruch, Ratten und sich ausbreitende Krankheiten häufen, wird das Viertel unter Wasser gesetzt und der ganze Unrat samt einiger Kobolde in den Werftkanal gespült, von wo er ins Meer fließen kann. Die Kobolde können sich meistens vorher aus dem Wasser retten und haben sich auch noch nie über dieser Verfahrensweise beschwert.

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