Die Geisterstadt

liegt nördlich der Janus-Werft und wird im Osten durch die Siedlung der Werftarbeiter begrenzt. Die Häuser in dieser Gegend unterscheiden sich von den modernen Ruinen nur dadurch, dass sie eben nicht allen Luxus bieten und wirkliche Ruinen sind. Geisterstadt heißt diese Gegend, weil sie kein Bewohner, der bei klarem Verstand ist, betreten würde oder gar dort wohnen wollte. Vor langer Zeit hat in diesem Viertel einen schreckliche Seuche gewütet, doch keine von der normalen Sorte an denen man einfach stirbt, sondern eine, die alle Wesen, die von ihr befallen wurden auflöste. Seit der Zeit jedenfalls spukt es in diesem Teil der Stadt . Des Nachts sind seltsame Lichter zu sehen, Kettengerassel zu hören und furchterregendes Gestöhne zu vernehmen. Die Arbeiter, die direkt an der Grenze zu diesem schauderhaften Viertel wohnen behaupten, ekelerregende Gestalten nachts durch die Straßen der alten Ruinenstadt torkeln gesehen zu haben.

Doch wie von einer unsichtbaren Wand zurückgehalten ist noch nie eine dieser Gestalten in die belebte Stadt gekommen, vielleicht finden sie die Lebenden ja genauso abscheulich wie umgekehrt. In der Geisterstadt befinden sich (von leben kann ja nicht die Rede sein) alle Arten von Untoten. Doch obwohl die Untoten in der Regel friedfertig sind, sollte jemand, der nachts in das Ruinenviertel geht, schon sehr besonnen vorgehen und über große Macht verfügen, um den nächsten Morgen noch zu erleben. Klar denkende Leute tun das wie schon gesagt nicht. In der Hauptsache finden sich Skelette und Zombis in der Geisterstadt, sollte es jedoch die Stärke der Besucher erfordern, so kommen auch die mächtigeren Formen von Untoten aus ihren Verstecken.

Geleitet werden die Taten aller Untoten von einem Gremium aus 12 Leichnamen ( 4 von ihnen waren Priester, der Rest reine Magier). Die Untoten haben keinesfalls die Absicht, ihr Viertel zu verlassen oder gar die Stadt zu erobern, sie sind eben da und stellen kein Problem dar, solange sie in Ruhe gelassen werden. Die Stadtbevölkerung hat sich an die Existenz dieser verbotenen Gegend gewöhnt und die Zeiten, in denen versucht wurde, die Untoten zu vernichten sind längst vorbei. Heute bezieht sich die Grundeinstellung der Städter („jeder soll glücklich werden, solange er mich nicht stört“) auch auf die Untoten. So unglaublich es klingt, man lebt (naja lebt?) friedlich nebeneinander. Doch sollte man (oder abenteurer) es wagen, nachts in die Geisterstadt zu gehen, so bietet sich einem ein verblüffendes Bild. Die Untoten scheinen das Nachts ein Leben zu führen, das mit dem normaler Leute tagsüber durchaus zu vergleichen ist. Es gibt Läden, in denen man alles mögliche und auch solche Dinge, von denen kein Lebender so genau weiß, wozu sie gut sind, kaufen kann, Bars und andere Vergnügungsbauten. Die Untoten haben es sich also so richtig gemütlich gemacht. Sie sehen es aber genauso ungern, dass Lebende in ihrer Bereich vorstoßen, wie umgekehrt und man sollte schon gute Gründe vorweisen können, um sich über diese Abgrenzung hinwegzusetzen.

Man erzählt von einem alten Mönch, der in den Viertel der Untoten ein- und ausging wie in seinem eigenen Haus, doch er verschwand vor ein paar Jahren spurlos. Gerüchte, er habe sich endgültig in der Geisterstadt niedergelassen, hat bisher noch niemand bestätigen können, was hauptsächlich daran liegt, dass niemand in die Geisterstadt geht. Es wird allerdings immer mehr eine beleibte Mutprobe unter jungen Städtern tagsüber einige Meter in die Geisterstadt zu gehen und sich an dem Grusel zu erfreuen. Wann das auch nachts beginnt bleibt abzuwarten, doch werden das die Untoten gar nicht gerne sehen. Was dann passiert, möchte ich nicht voraussagen müssen, doch könnte das zu ernsthaften Problemen für die Stadt führen. Es wäre doch sehr schade, wenn elf einen blutigen Krieg – und das würde er zumindest auf unserer Seite werden – führen müsste, nun um ein paar Gespenster loszuwerden, mit denen man jahrzehntelang gut zusammen, naja nebeneinander, gelebt (?!?) hat.

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