Götterschöpfung

Götterschöpfung

 

Der erste Götterkrieg.

Am Anfang. Als nur die Stille war und nichts existierte. Keine Augen die sehen, keinen Ohren die hören. Zu dieser Zeit geschah es, dass zwei Wesen zu leben begannen. Diese Wesen eines schwärzer als alles was je sein wird und das andere uneins mit sich selbst, nicht fähig eine klare Richtung bei zu behalten. Als die beiden zum ersten Mal auf einander trafen gaben sie sich Namen um sich vorzustellen, Namen die bis in alle Ewigkeit sein sollten. Dunkelheit und Chaos, den Wesen der folgenden Welt bekannt als Zhahae (Dunkelheit) und Mogadanh (Chaos)…die Urgottheiten. Dort wo sich die beiden berührten entstand eine unvorstellbare Kraft, welche beide nicht zu verstehen vermochten, sie nannten sie Liebe. Die Kraft aber war so voll Macht, dass sie eine eigene Persönlichkeit entwickelte, diese nannte sich im geheimen selbst Mana. Diese Persönlichkeit aber war geprägt von Ängsten und Schwäche; dem fehlendem Verstehen für die eigene Macht. So waren die beiden Urgötter in der Lage das Mana zu kontrollieren und zu ihrem Vergnügen zu nutzen. Dies taten sie ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden ob Mana zu eigenen Gefühlen fähig sei.

Aus der Überlieferung geht nicht hervor was mit dem Mana geschah, sehr wohl aber, dass es anfing Pläne zu schmieden um sich dem Würgegriff seiner Unterdrücker zu entziehen.

Mana begann zu verstehen, dass es nicht nur ein Werkzeug war sondern viel mehr von Dunkelheit und Chaos als Gefühl wahrgenommen wurde. Es beobachtete die beiden und sah die Unterschiedlichkeit; Mogadanh war kaum zu beeinflussen, da er sich mit seinem Selbst so uneins war. Er wirkte launisch, traf eine Entscheidung nur um im nächsten Moment das Gegenteil zu tun und seine eigenen Pläne zu vereiteln. Nicht Wut erfasste ihn dann sondern immense nicht zu beschreibende Freude. Die wenigen Momente in denen Zhahae und der Chaosgott sich stritten waren auf sein Verhalten zurückzuführen. Auch mit seiner Gemahlin ersann er immer wieder große Pläne nur um ihr kurz vor der Vollendung in den Rücken zu fallen.

Zhahae war hin und her gerissen, sie liebte ihren Gemahl aber seine Wankelmütigkeit erfüllte sie mit Trauer und Wut. Das Mana wartete ebenso einen Moment ab, Zhahae war in Zorn über das Chaos welches Ihr Geliebter angerichtet hatte und Mana flüsterte ihr zu: “Wenn du ihm ein Kind schenkst wird er sich ändern.“
Aber ein Kind erschien Zhahae, die die Einflüsterung für einen eigenen Gedanken hielt, nicht genug. Sie gebar vier Töchter indem sie ihr eigenes selbst mit dem Ihres Geliebten vereinte, mit dem Wunsch klare Linien für ihn zu erschaffen.

Mogadanh aber veränderte sich nicht; je mehr Zhahae und die Schwestern versuchten ihn in organisierte Bahnen zu lenken, desto mehr seiner hinterhältigen Spielchen spielte er mit ihnen. Seine Widerspenstigkeit ging so weit, dass Zhahae aufhörte ihn ändern zu wollen. Sie akzeptierte sein selbst. Die Schwestern hingegen waren durch den Wunsch ihrer Mutter beseelt. Sie schreckten auch vor Gewaltausbrüchen nicht zurück. Ihr Vater war gezwungen gegen sie zu kämpfen und Zhahae musste sich für eine Seite entscheiden. Sie unterstützte ihren Geliebten um die alte Zweisamkeit wieder herzustellen als sie sich einfach nur liebten und keiner den anderen zu verändern suchte.

Während dieser Auseinandersetzung nutzte Mana seine Chance um eine eigenständige Existenz zu werden und es fand Gefallen daran. Mana verfestigte die eigene Form immer mehr um sich selbst zu spüren…um ein Individuum zu werden. Aus Angst Dunkelheit und Chaos könnten den Kampf mit ihren Kindern für sich entscheiden, formte Mana einen schützenden Panzer aus Gestein, einen Wächter, und erweckte diesen zum Leben. Zwischen den kräftigen Schichten aus Stein verborgen dachte Mana über seine weiteren Schritte nach. Da es nun frei und vor dem Zugriff seiner Peiniger geschützt war, fiel ihm auf, dass es nicht wusste womit es seine Existenz verbringen sollte. Es fühlte sich allein und unnütz. Als es noch ein Teil von Zhahae und Mogadanh gewesen war, hatte es sich zwar gefühlt wie ein Gefangener und ein Spielball der beiden, aber es hatte einen Grund für das weitere Fortbestehen gegeben.

Mana vegetierte eine Ewigkeit vor sich hin und beobachtete voller Neid wie die beiden Liebenden und ihre Kinder versuchten sich gegenseitig zu vernichten, zu verändern, zu beeinflussen. Aus Einsamkeit belebte Mana seinen ihn schützenden Panzer zum Leben, nur um festzustellen, dass es so einfach nicht war. Er bestand aus viel zu trockenem Stein um Worte zu formen, er war nur fähig zu knirschen. Am Anfang war Mana glücklich einen Gesprächspartner zu haben, auch wenn dieser sich nur mangelhaft am eigentlichen Gespräch beteiligen konnte. Außer zu Zhahae hatte es noch nie gesprochen und so plapperte es drauf los und erzählte dem Steinernen von allem was es erlebt und gesehen hatte. Nach einer ganzen Weile bemerkte Mana wie unhöflich es sich anfühlte den geduldigen Zuhörer einfach nur Stein zu nennen. Es tat Kund: „Von nun an sei dein Name Groll.“ Groll grollte und knirschte und schliff Steine aneinander um seine Zustimmung aus zudrücken.

Da der Steinige nun einen Namen erhalten hatte war es auch für Mana an der Zeit sich vorzustellen, doch es hielt inne. Wollte es sich wirklich einen Namen geben der eigentlich nichts weiter als seine Struktur beschrieb aber nicht wirklich sein Wesen. Nein, es wollte ein Individuum werden so wie Groll, so wie die anderen. Nun endlich nach so langer Zeit des Zweifelns wusste das Mana was es wollte. Von jetzt an bis in alle Ewigkeit wäre es das Individuum namens Dra´Candria.

Groll welcher ein sehr einfaches Gemüt besaß war hiervon so sehr angetan, dass er damit begann Steine zu Bergen zu formen und zwischen die Berge schuf er Täler. Er war hingerissen von dem Wesen, welches in ihm wohnte und erschuf immer größere Berge, ganze Bergketten und auch einige Bergmassive, um ein bisschen anzugeben. Dra´Candria war über die Aufmerksamkeit des Steines so erfreut und konnte nicht umhin ihm für sein Meisterwerk zu zujubeln. Der Steingott wurde enthusiastisch ob dieser Lobpreisung und begann seine Berge mit glänzenden Metallen und funkelnden Juwelen zu durchziehen als Geschenk an die Welt.

Die beiden lebten glücklich miteinander während Dra´Candria weitere Pläne schmiedete um ein Individuum zu werden. Bisher war es gut gelaufen fand sie, wusste aber nicht was als nächstes zutun sein. Hier kam ihr der Zufall in Form des Übereifrigen Groll zu Hilfe. Er bat um ein anderes Material um seine Steine zu formen. Welches konnte er nicht sagen. Dra´Candria überlegte lange. Sie hatte nie zuvor solche Gedanken denken müssen und es fiel ihr nicht eben leicht, also tat sie das was die meisten einfachen Gemüter in einer solchen Situation getan hätten. Sie schuf das Gegenteil von dem was sie schon hatte. Ein Material so weich, dass man hindurch zu greifen vermochte.

Dra´Candria erweckte eine gigantische Schlange zum Leben, diese spie Wasser bis sie die von Groll geformten Täler gefüllt hatte. Aber sie hörte nicht auf zu speien bis alles mit Wasser bedeckt war. Zu jener Zeit war es als die Schwestern den Kampf gegen die Urgötter verloren und sich geschlagen zurückziehen mussten. Auf ihrer hektischen Flucht und aus der Angst heraus ihre Existenz zu verlieren erbaten sie Schutz von Dra´Candria. Die Schwestern flehten um ihr Leben und Dra´Candria erkannte wie viel Schuld es an der momentanen Situation hatte. Dra´Candria hatte als Mana die Schwestern genutzt um zu entkommen und sowohl ihre Geburt beeinflusst als auch ihre Vernichtung billigend in Kauf genommen. Um diese Schuld wieder gut zu machen gewährte Dra´Candria den Schwestern Unterschlupf auf der Welt und versteckte sie in den vier verschiedenen Himmelsrichtungen. Den Schwestern wurde als Entschuldigung ein Geschenk gegeben indem sie die Himmelsrichtungen nach sich benennen durften. Seither heißen die Himmelsrichtungen Norden, Westen, Süden und Osten nach den Kindern der Urgötter.

Auf ihrer Jagd nach den Schwestern zogen Dunkelheit und Chaos über die Welt ohne ihrer habhaft zu werden. Die beiden erkannten in Dra´Candria ihr geliebtes Mana. Als sie jedoch versuchten sich das Mana erneut untertan zu machen stellten sich Erde und Wasser in Ihren Weg in Gestalt von Groll und der Wasserschlange Estvalkudion. Die Götter hielten mit all ihrer Macht gegen die Urgötter, aber sie waren dem Untergang geweiht. Dra´Candria war verzweifelt, wollte seine Kinder nicht verlieren und erschuf etwas so leuchtend Helles am Himmel, dass die Dunkelheit sich zurückziehen musste um nicht vernichtet zu werden. Allein war das Chaos nicht in der Lage den beiden Göttern zu widerstehen. Estvalkudion ergriff das Chaos und umschlang es und schleuderte es in den Steingott, der es in seinem tiefsten Inneren einsperrte und festhielt auf dass es nie mehr heraus kommen sollte. Die Dunkelheit aber tobte und wehrte sich mit aller Macht gegen das himmlische Licht. Der Sonnengott, er hatte sich selbst Kayo getauft, wandte immer mehr Kraft auf um die Dunkelheit zurück zu halten. Durch die immense göttliche Energie drohte er das Wasser zu verdampfen und den Stein zu schmelzen. Groll und Estvalkudion waren bereit für das Fortbestehen Dra´Candrias zu sterben, aber die Welt konnte nicht ohne sie existieren. Das Mana musste handeln wenn es weiterhin ein Individuum bleiben wollte. So erschuf es Tag und Nacht, bei Tag wäre Kayo am Himmel um die Dunkelheit zu vertreiben. Aber nicht mit voller Macht um seine anderen Kinder nicht zu gefährden, die Dunkelheit würde dadurch in den Schatten überleben können. Die Nacht sollte Zhahae gehören für den Preis des Friedens. Zhahae war so voller Zorn über den Verlust ihres Geliebten, dass sie in der Nacht schlimmer wütete als je zuvor und die Welt mit Spuk und Grausamkeit überzog. Sie trachtete allen Göttern nach dem Leben, versuchte die Schöpfung ein ums andere Mal auszulöschen.

Dra´Candria musste sie aufhalten, hatte in Kayo aber keine Waffe, da auch die Schöpfung durch ihn sterben würde. Den alles rettenden Einfall hatte, Estvalkudion, der Wassergott. Seit dem Kampf gegen das Mogadanh schwer gezeichnet und von Chaos infiziert, war er nur noch selten bei klarem Verstand und von einer unberechenbaren Wankelmütigkeit. Einmal tobte er, dann wieder rührte er sich gar nicht mehr und blieb lange Zeit völlig still. Er schlug der Welt vor eine weitere Schwester zu gebären, eine Göttin am Himmel, die bei Nacht das Licht Kayos reflektieren sollte umso Licht in die Nacht zu bringen.

So wurde Tamaloo, der Mond, die einsame nächtliche Wächterin geboren. Die Dunkelheit genoss immer noch Freiheiten bei Nacht die ihre tagsüber verwehrt blieben, aber sie war nicht mehr in der Lage die Welt mit unbegrenzter Grausamkeit zu überziehen.

Die Dunkelheit aber war schlau und verhielt sich ruhig, zog sich zurück und wartet seither auf den vernichtenden Schlag gegen die Welt.

Der erste Götterkrieg endete und eine Zeit des Friedens und des Fortschritts begann auf Dra´Candria.

Die Götter waren das erste Mal seit ihrer Geburt von einer inneren Ruhe erfasst, hatten die Möglichkeit sich selbst zu erforschen und zu begreifen. Sie begannen ihre Schöpfungen zu vollenden. Groll der immer noch ergriffen war von Estvalkudions Opferbereitschaft, umarmte die Schlange so fest er konnte und schwor sie nie wieder allein zu lassen. Der Wassergott war kaum mehr fähig einen zusammenhängenden Gedanken zu erfassen. Groll aber wollte, dass sein Geliebter die Schönheit der Welt sah, bewegte Stein um Stein um den Weg des Wassers zu ebnen. Er schuf große Ozeane an wunderschönen Küsten, ließ mächtige Flüsse und winzige Bachläufe in herrlich anmutende Seen fließen.

Als die Schwestern dies betrachteten erfüllte sie tiefe Trauer über diese von ihrem Vater zerstörte Liebe. Sie strichen mit ihren Winden über die Körper der beiden um ihnen nah zu sein. Versuchten das Wasser in sich aufzunehmen, doch es rann ihnen durch die Finger. Sie wandten sich an den Sonnengott, Kayo, ihnen zu helfen. Kayo solle das Wasser erhitzen, aber nur an der Oberfläche es nicht verletzen. Mit seiner Kraft berührte er die Haut der Schlange die langsam zu verdunsten begann, den Nebel konnten die Schwestern mit sich nehmen. Es bildeten sich Wolken, welche von den Winden über die Welt getragen wurden. Die Seeschlange war glücklich, Groll von hier oben betrachten zu können und wann immer sie Sehnsucht nach dem Geliebten verspürte, so regnete sie herab um ihn zu berühren. Ein Wechselspiel aus herauf und hinabsteigen nahm seinen Lauf und nichts hat sich bis zum heutigen Tag daran verändert. Denn dieser immer wiederkehrende Ablauf von Bewegung und Gefühlen klärte den Verstand der Schlange zunehmend. Die nicht für möglich gehaltene Heilung trat ein. Unter der Oberfläche jedoch lauerte ein kaum wahrnehmbarer Rest Chaos; wartete auf den richtigen Moment alles aus dem Gleichgewicht zu bringen.

 

Tamaloo und die Sterne

Unterdes wachte Tamaloo einsam über die Nacht und lauschte der wohlig warmen Stimme Zhahaes. Und Zhahae gab die Geschichten weiter wie sie sich zutrugen mit all ihren grausamen verletzenden und doch wunderschönen Einzelheiten. Die Dunkelheit erzählte von der Liebe Mogadanhs und dem Mana und den Schwestern und dem Krieg und allen anderen Göttern; als sie dem Mond ihre Geschichte vom Verlust des Chaos berichtete musste Tamaloo weinen, so sehr konnte sie die Einsamkeit der Göttin der Nacht nachempfinden. Es begannen sich zaghafte Bande der Freundschaft zu entwickeln, zwischen der Wächterin und ihrer Gefangenen, denn wie auch Zhahae war Tamaloo unfreiwillig in der Nacht eingekerkert worden. Jede Nacht aufs Neue tat sie ihren Dienst, tat ihre Pflicht. Die Mondgöttin war trotz allem Gram, über die eigene unausweichliche Situation, fasziniert von all den Veränderungen der Welt, die so vielfältig waren, dass ihr Geist kaum in der Lage war sie alle zu erfassen. Um diese nicht, ob ihrer schieren Menge, zu vergessen begann sie die Geschichten leuchtend in den Himmel zu schreiben; auf das Zhahae ihr jede Nacht aus dem Himmel vorzulesen sollte. Geschichten für die Ewigkeit gemacht.

Immer wieder fügte sie neue Teile hinzu, so formten sich die Sternenbilder, in Gestalt der Götter von denen ihr berichtet wurde. Bis zum heutigen Tage erhält jeder Gott seinen Platz am Himmel für alle sichtbar, dort sind sie versammelt als Ehrerbietung an ihre Brüder und Schwestern und um sie alle weniger einsam zu machen.

 

Aber die Zeiten sollten chaotischer werden…

Ein Baum, ein Drache und ein…

Es begab sich, dass aus der tiefempfundenen Liebe Grolls zu Estvalkudion ein kleiner Spross wuchs. Dessen Haut war von hölzerner Beschaffenheit und sein Schopf war mit schimmernd grünen Blättern bewachsen. Die beiden Götter tauften ihren Sohn auf den Namen Echnatrak. Wo immer der kleine Baumgott einen seiner borkigen Füße hinsetzte fingen so gleich die schönsten Pflanzen an zu wachsen. Es wuchsen Gräser, Farne und Moose auf dem Rücken Grolls. Dann begannen die Blumen zu wachsen, in den wunderbarsten Farben und Formen sprossen sie aus Groll. Der Erdgott musste lachen, es fühlte sich an als ob man ihn sehr sanft kitzeln würde. Echnatrak wanderte für viele Äonen über die Welt und erschuf Leben wo immer er schritt. Er unterbrach seine Wanderung auch bei Nacht nicht. Tamaloo und Zhahae waren zu tiefst verwundert über diesen jungen und neugierigen Göttersohn, der keine Angst vor der Dunkelheit verspürte; für sie ließ er Pflanzen sprießen, machte ihnen wunderschöne Geschenke, welche während der Nacht blühten und in den schillerndsten Farben leuchteten. Er füllte Höhlen mit fluoreszierenden Pilzen und ganze Meere aus weißen Blüten in denen sich das Mondlicht spiegelte. In seinen Wäldern begannen die ersten Wesen ihr Leben, kleine Feen mit glitzernden Flügeln bestäubten die Blumen und kleine Kobolde, die sich zur Belustigung der Götter gegenseitig Streiche spielten, scheue Nymphen und Dryaden, die auf den Wiesen und in den Bächen spielten. Glück und Eintracht herrschten auf der Welt.

Als Echnatrak sich umsah und seine Füße Dra´Candria gänzlich durchwandert hatten, blieb er stehen; seine borkigen Füße grub er in die Erde und bohrte seine Wurzeln tief in den Leib Grolls. Von Tag zu Tag gewann er an Größe und Umfang, bis die umstehenden Bäume bei weitem überragt waren. Der Weltenbaum war geboren. Sanft wog er sich im Wind der Schwestern und war zufrieden mit seiner Schöpfung.

Lange Zeit nachdem der Weltenbaum zu seiner vollen Größe heran gewachsen war, rührte sich etwas in der mächtigen Baumkrone. Der kleine Funke Mogadanhs, der sich vor ewigen Zeiten in Estvalkudion festgesetzt hatte, war auch in dessen Sohn Echnatrak übergegangen. Von nun an sollten Dinge ihren Lauf nehmen die die Welt veränderten. Das Chaos sah seine Zeit gekommen und ließ die Äste der Baumkrone ausschlagen um seinerseits ein Wesen zu erschaffen; erst klein aber rasch wachsend, vor den Blicken der anderen Götter geschützt durch die, sich im Wind wiegenden, Blätter des Weltenbaumes.

 

Eine Geschichte von Feuer und Eis

Während diese Vorgänge unbemerkt blieben, verfielen die anderen Götter erneut in Streit. Kayo der immer noch danach trachtete die Dunkelheit zu vernichten und überhaupt nicht damit einverstanden war, dass man ihn durch die Nacht derart bei der Ausübung seiner Pflicht störte, warf der Mondgöttin vor mit Zhahae zu konspirieren. Tamaloo versuchte dem Sonnengott die Situation, ihre Einsamkeit und die Beweggründe Zhahaes verständlich zu machen, aber er brannte vor blindem Pflichtbewusstsein und hörte sie nicht an. Bei Nacht loderte sein Feuer mehr denn je und Tamaloo hatte Schmerzen wenn sie sein Licht reflektierte. Sie bat und flehte, er möge doch zur Vernunft kommen und sich beruhigen. Aber aus Blindheit war Wut und aus Wut, Hass geworden. Kayo war nicht mehr in der Lage sich zu kontrollieren; wieder einmal bedrohte seine Macht das Schicksal der Welt. Dra´Candria blieb nichts anderes zu tun als einen Teil seiner Energie von ihm abzuspalten um sie alle zu retten. Dieses Stück fiel zur Erde und begann zu brennen, so sehr der Regen es auch zu löschen versuchte, es brannte immer weiter.

Es verging einige Zeit in der die flammende Masse sich nicht bewegte. Starr und leblos lag sie dar, spürte den Regen auf der Haut und auch den Wind, der sie immer wieder anheizte. Langsam verschwand die Leere, eine eigene Seele begann zu wachsen. Im Inneren blieb der Lebensfunke Kayos doch dieser wurde überlagert vom flammenden Verlangen zu brennen. Das Verlangen des Feuers, das Verlangen von Soryan.

Der Feuergott brachte das Feuer in die Nacht. Er machte sich daran die Dunkelheit zu vernichten, mit flammenden Klauen schlug er sie, versuchte sie auszumerzen. Soryan zeichnete sich durch eine immense Beharrlichkeit aus und jagte die Dunkelheit wo immer er ihrer Habhaft werden konnte. Die Dunkelheit aber war groß und mächtig, sie widerstand seinen Angriffen lange Zeit.

Dort wo Soryan einmal zu geschlagen hatte, brannte die Welt und nahm Zhahae den Rückzugsort. Der Lebensraum für die Dunkelheit wurde kleiner mit jeder wiederkehrenden Nacht; der brennende Schmerz immer größer. Zhahae schrie in jeder neuen Nacht vor Schmerzen auf und zog sich ein weiteres Stück zurück. Tamaloo oben am Himmel konnte es nicht ertragen ihre Freundin in derart Bedrängnis zu sehen. Sie fasste den Plan diesen Emporkömmling Kayos und auch seinen arroganten Herrn in die Schranken zu weisen.

Sie bat Kayo, um des Friedens willen, ein letztes Mal seine Anfeindungen einzustellen und seinen Lakaien zurück zu rufen. Der Sonnengott aber lachte nur über den Mond; bezeichnete sie als Liebchen der Dunkelheit und drohte, sie sei die nächste die Vernichtung erfahren würde, durch ihn den mächtigsten aller Götter. Nun war es an der Zeit, dass auch die anderen Götter die Stimme erhoben Groll, Estvalkudion, die Schwestern und Echnatrak der Weltenbaum; Sie alle redeten auf die Sonne ein und versuchten ihn zu Vernunft zu bringen. Doch er gebot ihnen zu schweigen, erst wolle er die Dunkelheit vernichten, dann den Mond und dann den ganzen kümmerlichen Rest von ihnen. Auf dass seine Herrlichkeit die einzig existierende sei.

Er war seiner Macht erlegen und dem Wahnsinn anheimgefallen. Für die anderen Götter war er nicht zu erreichen; sie waren unten auf Dra´Candria, er hoch oben am Himmel.

Die Götter begannen ihren Kampf mit Soryan dem Ritter der Sonne, wie Kayo ihn betitelte. Soryan warf ihnen Feuer entgegen und aus diesem Feuer erhoben sich geflügelte, flammende Wesen. Er erschuf sich seine eigene Armee aus brennenden Lakaien. Auch die anderen Götter erschufen sich ihre Elementare um sich zu verteidigen. In den Sternen steht geschrieben, dass dies die Zeit war in der Groll die Trolle zu seinem Schutz erschuf. Hart wie Stein und wild wie ein Erdbeben sind sie, die einzigen Elementare welche die Zeiten bis heute so Zahlreich überstanden haben.

Soryan war in einem lange andauernden Krieg gebunden. Er gewann an Boden, den er genauso schnell wieder einbüßte. Die Götter warfen ihre Elementkrieger gegen die flammenden Horden. Die Luft schien zu brennen, sie flimmerte und flirrte vor Hitze. Die Elementare fingen Feuer und vergingen. Die Schwestern halfen dem Seegott so gut sie konnten, alles unter einem andauernden Regen zu halten. Aber der Wind fachte auch die Feuer Soryans immer wieder an. Es entstand ein ewiges hin und her aus Gewinn und Verlust ohne dass eine Seite einen längeren Vorteil hieraus zu erlangen im Stande gewesen wäre. Um seinem Ritter helfend zur Seite zu stehen suchte sich Kayo Echnatrak als Opfer aus; der Weltenbaum der es gewagt hatte sich ihm entgegen zu strecken höher als alles andere. Nun sollte er als lebende Fackel dienen, als Zeichen für die Macht Kayos. Er brannte mit zerstörerischer Kraft auf die Krone des Weltenbaumes hernieder doch dieser wollte nicht anfangen zu brennen. Es erschien fast so als würde die Sonnenenergie von Echnatraks Krone aufgesogen werden.

Nachdem der verrückte Sonnengott und sein arroganter Lakai abgelenkt waren, konnte Tamaloo ihren Plan zur Rettung der Götter in die Tat umsetzen. Sie spaltete einen Teil ihrer Selbst ab und lies ihn zur Erde gleiten. Ganz langsam damit niemand die Ankunft bemerkte. Eine einzelne Schneeflocke glitt zu Boden. Diese kleine Göttin mit Namen Katrina erhielt vom Mond die Aufgabe nach Norden zu wandern und auf ihrem Weg die Feuer zu löschen. Das Mädchen war kaum größer als einen Meter, ihre Haut dampfte als sie mit der warmen Luft in Berührung kam. Es bildeten sich Eiskristalle auf der Erde wo ihre kleinen Füße die Erde berührten. Bei ihrer ersten Begegnung mit dem Feuer war sie noch scheu und hätte sich beinahe verbrannt, aber dann begann sie das Feuer zu kontrollieren, ihm ihren eigenen Willen aufzuzwängen. Wenn sie dem Feuer gebot zu gefrieren so folgte das Feuer ihrem Willen. Mit jedem erloschenem Feuer auf ihrem Weg nach Norden wurde Soryan ein kleines bisschen Schwächer und sein Kampf mit den Göttern anstrengender.

Kayo, inzwischen völlig blind vor Hass auf den nicht brennen wollenden Weltenbaum, erkannte nicht, dass er langsam aber sicher dabei war seinen Krieg zu verlieren.

Soryan spürte jedes erlöschende Feuer und bemerkte die Gefahr in der er und sein Gebieter sich befanden. Er übergab die Befehlsgewalt über das Heer aus Feuerlakaien an seinen mächtigsten Gefolgsmann und machte sich unter Schmerzen auf den Weg die kalte Gefahr (so nannte er Katrina) auszumerzen. Der mächtige Dämon trieb die Heerscharen des Feuers unerbittlich weiter gegen die Götter. Sein Name wurde Legende bis zum heutigen Tag herrscht er über die Feuerdämonen. Katlarash, ein Name der den Tod verspricht. Zu verbrennen und zu vernichten ist seine einzige Freude. Hiervon aber sollen andere Geschichten berichten.

Katrina unterdes setzte ihren Weg gen Norden stetig fort und mit jedem erloschenen Feuer wurde ihr Gegner schwächer. Soryan aber war immer noch erschreckend mächtig und durch aus in der Lage sie zu vernichten. Sie beeilte sich so gut es eben ging, immer den feurigen Atem des brennenden Ritters im Nacken spürend. Das Ziel ihrer Bestimmung war fast erreicht, der Moment des Sieges so greifbar. Am Horizont konnte sie ihn sehen, den nördlichsten Punkt Dra´Candrias. Wenn sie nur noch einen Augenblick durch hielt war die Schöpfung gerettet. Ein Gefühl von Freude und Triumpf pochte in Katrinas Brust, sie würde diesem Elend ein Ende machen und ihre Mutter wäre stolz auf sie. Doch kurz vor dem letzten Schritt der beschwerlichen Reise erschien Soryan, er brannte fast weiß so wütend war er und formte eine Waffe (Brand) aus seinem Selbst. Mit immenser Kraft, dem schieren Hass des Verblendeten hieb er auf das kleine Mädchen ein. Katrina wich seinen Schlägen einige Male haarscharf aus, aber sie wurde schwächer, die bloße Nähe zum mächtigsten aller Feuer ließ ihre Kräfte schmelzen. Wieder einige Hiebe mit der flammenden Klinge, Katrina war geschwächt, immer knapper wich sie seiner Waffe aus. Es war nur eine Frage der Zeit bis er den tödlichen Treffer landen würde. Sie sah den Hieb kommen, es war fast als würde die Welt still stehen. Soryan schrie triumphierend auf und schmetterte auf sie ein. Mehr instinktiv als bewusst formte auch die Eisgöttin eine Klinge (der kalte Tanz); schmal und von wundervoller Eleganz, die Klinge ganz aus Eis dampfte in der Hitze der Luft. Sie wich zur Seite und ließ seinen als finalen Schlag gedachten, aber unkontrollierten Gewalthieb zur Seite abgleiten und stellte sich ihm erneut. Ein endlos erscheinender Kampf aus Angriffen und Verteidigungen der beiden Götter entbrannte. Soryan führte seinen Kampf mit roher Gewalt, Katrina mit klarer, überlegter Gewandtheit. Was Katrina an Kraft fehlte machte sie doppelt durch ihre Wendigkeit wett.

Während am nördlichsten Punkt der Welt ein Kampf tobte, der einem Sturm aus Feuer und Eis glich, wurde die Sonne von einem ungewohnten Gefühl erfasst; Angst, Schmerz und Verlust. Nicht Kayo brannte mehr auf den Weltenbaum hernieder sondern der Baum sog an seiner Macht. Kayo vermochte es nicht zu beenden, seine Energie floss in die Baumkrone. Etwas rührte sich dort und es ängstigte die Sonne bis ins Mark.

Zur selben Zeit sank Soryan auf ein Knie, er war erschöpft, ohne die Macht seines Herrn war er der Eisgöttin unterlegen. Er sah ihr tief in die Augen und er fand dort Mitleid und Zuneigung…dann stieß sie die kalte Klinge tief in sein Herz und er starb. Katrina nahm ihn in die Arme und strich ihm über sein immer noch loderndes Haar. Ihr Blick wandte sich zur Sonne und sie schrie Kayo an, während ihr, gefrorene Tränen die Wangen herunter rollten. All dies sei seine Schuld, die Schuld seiner eigenen Arroganz. Er solle sie immer betrachten können und seine eigene Macht wird ihm von nun an Schmerzen zufügen. Mit Soryans Leichnam in den Armen begann sie den Norden mit Eis zu überziehen. Eine enorme spiegelnde Fläche die Kayos Licht reflektierte. Er sollte sich selbst verbrennen sobald er zu stark brannte. Seine Arroganz würde ihm ins Gesicht schlagen.

Kayo aber blendete nicht nur, er war auch verblendet. Lieber wollte er sterben und alles mit sich reißen als auch nur einen anderen Gott am Leben zu lassen. Er begann die Welt und sich selbst zu verbrennen bis zu dem Moment als sie alle die Stimme das erste Mal hörten.

Wie ein Orkan fegte die Stimme des Drachen aus der Baumkrone Echnatraks über Dra´Candria >GENUG<. Alle Wesen der Welt hielten inne um der mächtigen Stimme zu lauschen, die gleichzeitig beängstigend und väterlich wirkte.
>Ich bin Begolath, der Götterdrache, Herr über die Brut<. Von überall her erklangen Schreie von Drachen, die Ihrem Vater antworteten. >Das Zeitalter der Drachen hat begonnen und ich werde eure törichten Streitigkeiten nicht dulden. Sie sind lächerlich und kindisch, eines Gottes nicht würdig. Hört auf die Welt zu zerstören und labt euch an ihrer Herrlichkeit<.

Während die anderen Götter noch staunten und versuchten sich einen Reim auf diesen Drachengott und seine Existenz zu machen, griff Kayo an. Der Drache verschlang ihn mit einem Bissen, es wurde Nacht auf Dra´Candria. >Ist es das was ihr wollt, ihr Narren<? Die Götter beratschlagten sich und wendeten sich mit der Stimme der Eisgöttin an den Drachen. >Dies ist nicht wonach wir trachteten, du missverstehst uns. Wir wollten dass er Vernunft findet, nicht seine Vernichtung. Ohne ihn wachsen die Pflanzen nicht, ohne seine wärmenden Strahlen wird die Welt vergehen<.

>Ihr scheint vernünftiger als zunächst erwartet<, sprach der Drache fast beiläufig. In einer riesigen Explosion gebar er Kayo erneut in den Himmel. Aber der Sonnengott war verändert, er schien nun milde vom Himmel all die Arroganz war fort und er hatte die Form eines Drachen aus strahlendem Licht angenommen. >Seht was ich euch geben kann, ihr alle sollt einen Drachen erhalten. Ich bin nicht euer Feind, zusammen können wir großes schaffen<.

Der Drache erschuf einen Elementar Drachen für jeden Gott. Als die Reihe an Katrina war bat sie ihn inne zu halten. >ich wünsche keinen Drachen von dir, falls es in deiner Macht liegt so gib dem Feuer sein Leben zurück. Er war nicht böse, er wusste es doch nicht besser<. Der Drache sprach milde: >Seinen Körper kann ich nicht ins Leben zurückholen, aber ich bin in der Lage seine Seele an einen meiner Drachen zu binden, so du es wünscht<. Die Eisgöttin bejahte seinen Vorschlag und so geschah es. Soryans Seele wurde an den Feuerdrachen gebunden.

Soryan schwor Katrina ewige Treue und Ergebenheit. Das Feuer stellte er den Göttern zur Verfügung um seine Schuld abzutragen und seinen Teil zur Schöpfung beizutragen.

Eine neue Zeit des Friedens brach an und die Götter machten sich daran die Welt zu formen. Sie alle und der Drache vereinigten ihre schöpferischen Gedanken um den Gott des Schaffens ins Leben zu rufen. Sein Name war Wolan.
Er ist bis zum heutigen Tag der schöpferische Gedanke in jedem von uns. Er hauchte den Tieren der Welt Leben ein und bald schon war Dra´Candria übersäht mit den unterschiedlichsten Arten. Viele sind uns auch heute noch bekannt.
Dra´Candria frohlockte bei diesem herrlichen Anblick, jede Veränderung brachte es näher an sein Ziel eine Existenz zu sein. Der Gott des Schaffens war aufgrund seiner Fähigkeiten hoch angesehen und das Mana und die anderen Götter unterstützten ihn gern mit ihren Kräften um die Entwicklung der Welt rasch voran zu treiben.

Während alle mit dem Fortschritt beschäftigt waren gab es ein weiteres einschneidendes Ereignis am Weltenbaum. Denn zur Zeit als der Drache geboren wurde, erblickte auch ein anderes Wesen das Licht der Welt. Es lag verborgen von den Blicken der Götter unter den Wurzeln des Baumes. Seine Haut war ledrig, fast schwarz und von unzähligen Narben überzogen. Es maß nur knapp mehr als 2 Meter und erschien wenig göttlich. Der Drache beobachtete die Gestalt, Tiere die sich ihm nährten fing es und fraß sie bei lebendigem Leib. Wo dieses Tier, denn hierfür hielt es der Drache, seine Füße setzte versteinerte der Boden und nahm eine rötliche Färbung an. Es machte den Anschein als würde das Biest sich immer größere Opfer suchen und von Mal zu Mal stärker werden. Egal wie mächtig sein Gegenüber auch war, am Ende wurde es erlegt.

Der Drache empfand den Anblick und die zerstörerischen Gebaren der Bestie als äußerst störend. Jeder beteiligte sich am Aufbau der Welt nur dieses dumme Vieh nicht. Aber es einfach zu töten lag ihm fern, es war klein und für ihn ungefährlich. So griff der Drache vom Weltenbaum nach dem Wesen und hob es hoch in die Krone. >Sag warum tötest du was sich dir nähert, willst du nicht lieber wie die anderen etwas schaffen. Sprich wenn du dazu in der Lage bist<. Überheblichkeit lag in der Stimme des Drachen als er mit der niederen Kreatur sprach.
>kkrrr…stark…töte dich<, brachte das Wesen röchelnd hervor. Der Drache lachte erst, dann schrie er auf. Die Bestie hatte ihm die Faust auf die Brust geschlagen und zwar mit einer solchen Wucht dass eine der mächtigen Schuppen gebrochen war. Ein Kampf entbrannte, dem Drachen wurde klar welch einen Fehler er begangen hatte als er das Wesen zu sich genommen hatte. Es machte keinen Unterschied zwischen dem Drachen und einem Großen Tier und es wollte Kämpfen. Der Drache biss in die Bestie, kaute auf ihr, versuchte sie zu zerreißen, aber das Vieh schien wie aus zähem Leder gemacht zu sein. Es hatte nicht die Chance auch nur einen weiteren Schlag anzubringen aber starb einfach nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit griff der Drache seinen Gegner und brüllte ihn an: <Du bist nicht stark genug um mich zu töten, du bist einfach nur ein zähes Stück Fleisch. Selbst zu dumm um zu sterben<. Der Drache war wütend. Und der blutige Fleischhaufen röchelte eine Antwort: >kkrrr…werde…stärker…fresse…Herz…<.
Diese Erwiderung brachte das Fass zum überlaufen. Der Drache holte aus und warf die Bestie tief in den Wald. Dort verschwand sie und der Drachen sollte sie lange nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Lange lag das Wesen auf dem kühlen, feuchten Waldboden und wartete dass seine Wunden heilten. Es würde den Drachen besiegen, eines Tages, aber das hatte Zeit. Es würde nicht sterben, es war ein Gott. Willst du nicht etwas schaffen hatte der Drache ihn gefragt. Oh ja das würde es tun. Es würde sich ein eigenes Volk schaffen wie die Drachen und dann würde es zurückkehren und sie werden den Drachen fressen nachdem es ihn getötet hat.
Die Erde barst als es seine mächtige Pranke in den roten Boden trieb. Es packte zu und zog…am Schopf eines Wesens das ihm fast wie aus dem Gesicht geschnitten schien. Es blickte ihn fordernd an. >ich bin Khan, du bist Narog. Das Wesen, der Narog griff ihn an und starb. Dieses wiederholte sich viele Male bevor man die Narog tatsächlich als Volk bezeichnen konnte. Sie machten sich mit ihrem Khan auf die lange Wanderung nach Westen. Bis heute sind die Narog dafür bekannt und gefürchtet sich immer messen zu müssen. Nur der stärkste überlebt, kein Gegner ist zu groß oder zu zahlreich. Aber hier wollen wir die Narog nun verlassen und uns wieder unseren Göttern zuwenden.

 

Die Völker entstehen und der dritte Götterkrieg

Der immer noch mürrische Drache thronte über der Welt und sorge für Frieden unter den Göttern. Aufkommenden Streit unterband er umgehend mal mit guten Worten oder dem einen oder anderem Geschenk oder mit der schieren Androhung von Gewalt.
Die Götter neigen seit jeher dazu sich nicht einigen zu können, jeder versucht den anderen zu übertrumpfen um Dra´Candrias Liebling zu sein.

In diesem Fall machte Echnatrak den Anfang, er schuf die Velen, ein graziles Volk, welches in seinen Wäldern beheimatet war. Die Velen hatten eine natürliche, tief verwurzelte Verbindung mit dem Mana und somit auch mit der Welt an sich. Sie waren geschickte Jäger und dazu in der Lage kleine Teile der Schöpfung kraft ihrer Gedanken zu verändern. Über die Velen ist nur wenig bekannt. Sie bleiben gern für sich und teilen nur ungern ihre Geheimnisse.

Groll der als Erstgeborener in nichts anstehen wollte, erschuf die Zwerge. Ein Volk welches in seinen Tiefen lebte und nach seinen Schätzen grub um sie Dra´Candria als Geschenk dar zu bringen. Sie liebten es Monumente in Stein zu hauen und Artefakte mit Feuer zu schmieden. Sie waren klein von Gestalt und so bärtig das man kaum ihr Gesichter erkennen konnte. Wie wir heute wissen spalteten sie sich später in drei große Familien auf. Die bekanntesten und zugänglichsten unter ihnen sind heutzutage sicherlich die Mogarson. Benannt nach Mogar von dem die Zwergenlegenden sagen er hätte den ersten Tunnel in einen Berg getrieben und sein Volk in die Erde geführt.
Im Allgemeinen sind die Zwerge schwer arbeitende und kräftige Wesen, die es aber auch zu feiern verstehen.

Auch der große Estvalkudion konnte sich nicht zurück halten und erschuf ein Volk um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sein erster Versuch glich so sehr den Velen, dass die anderen Götter ihn aufzogen. Also gab er ihnen eine Besonderheit und versteckte sie in seinen Fluten. Die Atla´Velen haben die Eigenschaft außer Luft auch Wasser atmen zu können. Ihr Kontakt mit der Welt ist heute so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Sie leben zurück gezogen auf dem Meeresboden in ihrer legendären Stadt Atlantane.
Da sich dieser erste Versuch als nicht so erfolgreich heraus stellte, versuchte es die Seeschlange noch einmal. Sie wollte ein Volk, das nicht in ihr lebte sondern sie vielmehr widerspiegelte. Sie erschuf Haut in Tönen zwischen grün und braun, ledrig und leicht geschuppt. Augen so blau wie das Meer und zwei mächtige Hauer die aus dem Unterkiefer ragen im Gedenken an ihre eigenen Giftzähne. Dieses Volk nannte sie Orks. Den Orks ist von jeher von ihrem Gott die Fähigkeit verliehen zu schwimmen und ein Boot zu fahren, denn sie sollen sich auf ihrem Gott der Schöpfung zeigen um ihn zu ehren. Aus diesem Grund haben sich die Orks über die ganze Welt verstreut. Geführt werden sie heute von den großen Klanchiefs.

Aber trotz all dieses Friedens konnten es die Götter nicht unterlassen sich gegenseitig zu verhöhnen und die eigenen Errungenschaften in den Vordergrund zu stellen.
Ob sie wohl auch so gehandelt hätten…wenn ihnen bewusst gewesen wäre…welche Ereignisse sie damit herauf beschwören?

 

Die Menschen und der große Krieg

Ein beliebtes Opfer der Götter war Wolan, der ihnen zwar den schöpferischen Gedanken gab aber bisher nur die Tiere erschaffen hatte. Der Schöpferische Gedanke war so wenig greifbar, dass die Götter ihn nach der langen Zeit als Teil ihres eigenen Selbst wahrnahmen. Sie höhnten er sein nicht mehr als ein Bauer unter den Göttern, ein Viehhirte. Die grausamen Sticheleien waren schier grenzenlos. Der Drache sonst zur Stelle um solch aufkeimende Streitereien zu unterbinden zog sich zu dieser Zeit immer mehr zurück und wurde grüblerisch. So gebot den Göttern niemand Einhalt und wie die Kinder die sie sind, waren sie sehr grausam. Sowohl zu einander als auch zu den Völkern der anderen.

Es kam der Tag an dem Wolan genug hatte von Hohn und Spott. Er fasste den Plan es ihnen allen zu zeigen, sie zu übertrumpfen. Auf dass sie ihm huldigen als den großen Gott für den er sich selbst hielt. Denn Arroganz wohnt ihnen allen inne, Wolan machte hier keine Ausnahme. Auch er erschuf sein eigenes Volk, die Menschen. Da er sich aber einen Vorteil gegen über den anderen Göttern verschaffen wollte, beseelte er die Menschen mit dem göttlichen Gedanken der Schöpfung. So entwickelten sich die Menschen schneller als alle anderen Völker. Sie lebten nicht nur, sie begannen mit der sie umgebenen Welt zu arbeiten. Sie konnten dem Drang nicht widerstehen immer neues zu schaffen, immer größeres zu schaffen. Sie bauten überwältigende Städte. Beris war die erste unter ihnen und für lange Zeit Dreh- und Angelpunkt für Handel, Kunst und Kultur der Menschen. Es war das Monument für die Größe und Erhabenheit der Menschheit.

Mit der Zeit avancierte Wolan zum größten aller Götter. Dra´Candria hatte nur noch Augen für ihn und sein großes Volk, die Menschen. Den anderen Göttern war dies ein Dorn im Auge. Was aber auch immer sie versuchten, er war in der Lage sie durch die Menschen auszustechen. Sein ärgster Kontrahent war der Herr der Drachen, denn nun regte sich das Chaos in ihm. Durch immer neue Einflüsterungen wuchsen Neid und Hass auf Wolan und die Menschen, die ihm seinen Platz an der Spitze der Schöpfung weggenommen hatten.

Am Anfang war es purer ungezügelter Hass und er sandte seine Drachen gegen die Menschen und seine Städte. Aber die Menschen waren wehrhaft und einfallsreich und ersannen immer neue Strategien, Waffen und Verteidigungsanlagen um Bürger und Städte zu schützen. Hieraus geht der heute noch bekannte Kampf zwischen Menschen und Drachen hervor.

Nach einer schieren Ewigkeit zogen sich die Drachen zum größten Teil wieder zurück. Begolath schäumte vor Wut über seine eigene Unfähigkeit die Menschen zu vernichten und ersann nun immer perfidere Pläne um sie in Misskredit zu bringen. Getrieben vom Chaos nutzte er Einflüsterungen um die Führer der Menschen zu Korrumpieren und Missgunst unter den Menschen zusähen.

Dra´Candria aber liebte die Menschen so sehr, dass sie ihnen ihre Schwächen vergab. Begolath wurde immer wütender als seine Pläne nicht von Erfolg gekrönt waren. In seiner blinden Arroganz tat er nun etwas das die Welt von Grund auf verändern sollte. Eines Nachts schlich er heimlich zum Mond. Tamaloo, die immer noch einsam am Himmel wachte war erfreut, dass einer der anderen Götter sie besuchte. Der Drache umgarnte sie, machte Komplimente und sang für sie. Dieses wiederholte sich in vielen darauf folgenden Nächten. Er sang von seiner unsterblichen Liebe und sie glaubte ihm. Zhahae versuchte vor der Falschheit des Drachen zu warnen, aber Tamaloo war blind vor Liebe und aus Angst vor der erneuten Einsamkeit.

Der Gott der Fruchtbarkeit

In einer Schicksalsträchtigen Nacht bat der Drache den Mond ein Kund mit ihm zu zeugen als Zeichen ihrer Liebe. Es sollte ein Gott sein um dafür zu sorgen dass niemand auf der Welt mehr allein muss. Tamaloo war überglücklich nie mehr allein sein zu müssen und gebar Me´Allei, den Gott der Fruchtbarkeit. Mit ihm begannen aber auch die anderen Völker sich ohne Hilfe und Einfluss der anderen Götter fortzupflanzen.
Vor allem die Menschen beseelt durch den Gedanken der Schöpfung wuchsen in ihrer Zahl derart schnell, dass sie bald aus ihren Lebensräumen expandieren mussten und durch die Einflüsterung des Drachen waren sie hierbei vollkommen rücksichtslos. Wolan hatte bald die Kontrolle über die Menschen verloren und sie griffen nun auch die anderen Völker an und eroberten deren Lebensraum für sich. Aufgrund ihrer enormen Anzahl waren sie nicht aufzuhalten. Sie strebten nach Macht und Besitz.

Alle gerieten in Streit, die Götter und auch ihre Völker…und über allem thronte der hinterlistige Drache. Er genoss das angerichtete Chaos ohne zu merken, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne war. Mogadanh hatte die Kontrolle über den Drachengott übernommen und machte sich daran die Welt zu vernichten.

Die Welt brannte, jeder versuchte jeden zu vernichten, die Menschen vermehrten sich trotz allem immer noch. Zhahae schritt des Nachts über die Welt durch ein Meer aus Leichen und erkannte das Chaos, ihren Geliebten. Dies war der Moment auf den sie so lange gewartet hatte. Sie begab sich zu Drachen und sprach lange mit Mogadanh, dann machte sie sich an die Vernichtung der Welt. Es war eine Zeit der Grausamkeit und des Schreckens.

Mogadanh labte sich an dem Chaos und herrschte über die Welt, eine Welt des Blutes und des Hasses. Es ist nicht überliefert, was genau in dieser einen Nacht passierte aber vermutlich konnte Mogadanh nicht widerstehen mit seiner Geliebten wieder eines seiner kleinen Spielchen zu treiben. Nun erkannte Zhahae, dass sie eine Entscheidung treffen musste, er würde nie ein anderer sein und Vernichtung wäre für immer sein Ziel, nicht die Liebe zu ihr. Aber es gab da ja jemanden einsam wie sie und voller Liebe…und Zhahae hatte ihr nicht beigestanden, ihrer Freundin aus einsamen, gemeinsamen Tagen.

Tamaloo weinte einsam am Himmel als die Dunkelheit sie umschloss und ihr Trost spendete.

 

Verschmähe niemals eine Frau…

Zhahae legte einen Schatten über die Welt um ungestört mit den anderen Göttern, ihren alten Feinden sprechen zu können. Es dauerte lange bis sie und Tamaloo, die Götter von ihrem Plan überzeugen konnten. Sie trauten der Dunkelheit nicht über den Weg, verständlicher Weise. Am Ende war es Dra´Candria die sich für Zhahae aussprach.

Die dunkle Göttin bat Wolan noch einmal einen Menschen zu formen, einen reinen nicht vom Drachenchaos verderbten. Denn die Menschen hatten sich verändert, sie waren halbdämonisch und dem Drachen verfallen, nannten sich selbst nur noch Dra´caner. Sie aber brauchte einen Menschen, einen kleinen Menschen, völlig unscheinbar. Wolan tat wie ihm geheißen, er gab ihm den Namen Askadian.

Um sein Misstrauen nicht zu erwecken begab sich Zhahae zurück an die Seite Mogadanhs. Dieser Thronte auf den Bergen über Beris der einst so großen Stadt der Menschen und besah sich lächelnd das herrschende Chaos. Askadian betrat nach langer und beschwerlicher Reise die alte, in Schutt und Asche liegende Stadt und machte sich daran den Berg zu erklimmen. Als Mogadanh ihn bemerkte begann er aus reiner Boshaftigkeit Steine vom Berg zu rollen um den Menschen zu töten. Der Mensch aber schaffte den Weg den Berg hinauf und stand nun auf dem Plateau Auge in Auge mit dem Chaos. Die Götter erschienen einer nach dem anderen und sie forderten das Chaos zu einem Kampf heraus. Ihr Streiter solle der Mensch sein. Mogadanh lachte schallend.

Zhahae flüsterte ihrem Gemahl zu er solle ihnen seine Machte beweisen und den Winzling mit einem Augenzwinkern vernichten. So sammelte er seine Kraft in einem Auge. Während dessen kletterte Askadian auf den Drachen, ob seiner geringen Größe unbemerkt und als der Drache sein Auge öffnete um den Menschen zu vernichten, stahl dieser das Auge des Drachen.

Ob seiner Macht beraubt konnte Mogadanh den Göttern nicht lange widerstehen und musste sich geschlagen aus dem Gottdrachen zurückziehen. Nun klärte sich auch der Verstand des Herrn der Drachen. Askadian wollte ihm das Auge zurückgeben aber Begolath lehnte ab. Niemand sollte eine solche Macht besitzen befand er. Askadian solle das Auge vernichten.

Askadian nutzte also die Macht des Auges, zuerst aber um die Fortpflanzung der Menschen zu stoppen. Er wollte einen Teil von Me´Allei abspalten…aber hier ging etwas schief.
Aufgrund der chaotischen Macht des Auges begann der getrennte Teil zu leben und bildete das Gegenteil zu Me´Allei, es entstand der Totengott Nandes. Nicht wie gewollt, aber auch so begrenzte sich die Lebensspanne der Menschen und auch der anderen Völker. Man war der Überbevölkerung Herr geworden. Von hier an wurde die Zeit erstmals ein wichtiger Faktor und die Völker begannen ihre Tage zu zählen. Vierzig für einen Monat und zwölf davon im Jahr. Einen Monat für jeden ihrer großen Götter.

Als aber Askadian das Auge vernichten wollte wehrte sich die, in ihm wohnende Chaosmacht. Alles ging schief das Auge blieb mit einem Teil der Macht erhalten. Aus der verströmenden Energie wuchsen unkontrolliert weitere Götter und auch Völker. Viele Tiere erhoben sich und wurden menschlich.
Es entstanden Götter für alle Belange der menschlichen Seele, hier will ich nur einige der großen und aus ihrer Sicht wichtigen Götter nennen.

Rogoth, der Kriegsgott. Chesxma, der Rachegott. Aynsley, die Göttin der Diebe und Bettler. Siriana, die Göttin der Liebe (dies beinhaltet auch die käufliche).

Da er nicht in der Lage war das Auge vollständig zu vernichten entschieden die Götter Askadian solle von nun an der Hüter des Auges sein, auf das niemand es jemals wieder nutzen sollte.

Die Götter besahen sich das angerichtete Chaos und begannen mit einem Neuaufbau der Welt.

Siriana und Askadian zeugten den ersten Menschen des neuen Zeitalters.

Aber all dies ist bereits so lange her, vieles ist in Vergessenheit geraten…auch das Chaos…aber hütet euch, Mogadanh lauert auf seine Chance euch erneut ins Chaos zu stürzen.

 

Über Tausend Jahre sind seither vergangen.

Wir schreiben das Jahr 1368 den vierzigsten Tag im Monat des Osten, das Neujahrsfest…Was ist eure Geschichte?

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