Sonnenscheins Heilung

Dieses Gebäude ist eine Art Tempel, der jedoch zum einen sehr klein und zum anderen mehr auf Handel als auf Seelenheil eingestellt ist. Der sogenannte Mönch ist stark an Kunden interessiert, die seine Heilkräuter, Tränke und ähnliches kaufen wollen. Zu den Tränken ist zu sagen, es handelt sich nur in Ausnahmefällen um wirkliche Heiltränke. Der Rest sind Mischungen von allerlei Dingen, die vor allem bei leichten Krankheiten nach ein oder zwei Tagen zum Erfolg führen (wenn die Krankheit sowieso abklingt). Für Beichten, Heiraten und andere priesterliche Tätigkeiten steht der Mönch natürlich auch zur Verfügung, immerhin ist diese Haus Kayo geweiht, doch er tut es nur widerwillig und gegen hohe Gebühren.

Die Bewohner der Stadt ziehen daher für derlei Zeremonien den Haupttempel vor. Priester Kayos aber beten selbstverständlich in ihrem eigenen Tempel. Es müssen jedoch Reisende sein, denn die ganze Stadt glaubt an den Handel und mehr oder weniger ist das auch ihr Gott. Der Sonnenscheintempel ist verhältnismäßig klein und fällt von Außen nur durch einen großen Schriftzug und eine messingfarbene Sonne an der blauen Front auf. Innen findet sich ein großer Raum, der ein- zu zwei Dritteln durch einen Vorhang aufgeteilt ist. Im größeren Teil ist der Tempel untergebracht. Es finden sich hier allerlei sakrale Gegenstände, teilweise aus Gold oder zumindest vergoldet und relativ aufwendige Wandbemalungen, die allesamt die Wohltaten der Sonne zeigen. Im hinteren Teil befinden sich die Räume des Mönches, die allerdings kein Gläubiger betreten darf, dort mischt der seine geheimnisvollen Tränke und dort befinden sich auch seinen Gemächer. Der Mönch hat es irgendwie geschafft, den Rat der Stadt davon zu überzeugen, dass es sich bei seiner Niederlassung nicht etwa um einen Tempel handelt, der in der Stadt bekanntlich nicht so gerne gesehen sind, sondern um ein Dienstleistungsunternehmen von allgemeinem Interesse, dar die Lebensqualität in Tredalor erheblich steigern würde. Wahrscheinlich war es nicht eben preiswert, den ganzen Rat davon zu überzeugen, einen derartigen Unsinn zu glauben. Doch könnte dieses Verfahren einige Veränderungen in der Stadt hervorrufen, wenn nämlich die anderen, sehr zahlreichen, Glaubensgemeinschaften sich ebenfalls unter solchen Deckmänteln innerhalb unserer Mauern niederlassen.

Print Friendly, PDF & Email