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Zur lustigen Rebe

ist eine Weinstube an der Grenze zwischen den Viertel der Eldra- und Katvelen. Sie wäre überhaupt nicht zu erwähnen, wenn nicht fast jeden Abend Barden die Gäste unterhalten würden oder Poeten aus ihren Werken zum Vortrage brächten oder etwas Ähnliches. Der Wirt ist ein Veeln. Die Bardenauftritte werden recht spontan am Morgen vorher organisiert. Die Künstler werden nach den Trinkgeldern bezahlt, die in ihren Stücken zusammen kommen. Für einige Künstler, die jeden Abend auftreten, gibt es hinter dem Haus einige Stuben, in denen sie Schlafen können.

Diener und andere Nicht-velen haben nur in Ausnahmefällen Zutritt zur lustigen Rebe, für sie gibt ein gesondertes Zimmer, in dem sie warten können bis ihre Herren sich zu ende vergnügt haben. Es sind überdies auch Kunstformen, die einen Nicht-velen, also zum Beispiel einen Zwerg, kaum begeistern werden, denn die Grundelemente sind Musik und vor allem Wortwitz. Da alle Vorführungen in velenischer Sprache stattfinden, haben Angehörige anderer Rassen oft Schwierigkeiten, die feinen Untertöne zu erfassen, es sei denn, sie sprechen wirklich ausgezeichnet die velenische Sprache.

Die besondere Attraktion der lustigen Rebe ist ein fest angestellter Barde, der die Ereignisse aus Politik und Gesellschaft auf satirische Weise zusammenfasst. Er begeistert das Publikum jeden Abend aufs Neue. Einige seiner Stücke sind so Nahe an der wirklichen Wahrheit, dass er jeden Abend schon mit einem Bein im Gefängnis steht oder Schlimmeres. Doch dem Publikum gefällt es und sogar einige der Betroffenen können darüber lachen, denn trotz allem Spottes, wirkliche Gefahren gehen von diesem Barden nicht aus. Er versteht sich alleinig als Künstler und will keine politischen Veränderungen hervorrufen, auch wenn einige Gruppen der Gesellschaft von Tredalor ihn schon recht eindringlich darum gebeten haben.

Nach all dieser Kunst noch ein kurzes Wort zu Gastlichkeit. Die Weine sind in reichlicher Auswahl vorhanden, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Zum Wein werden kleine aber sehr delikate Speisen gereicht. Es ist kein Lokal, in das man geht um zu speisen, oder sich mit seinen Tischgenossen zu unterhalten, man kommt hier her, um die Vorführungen zu genießen und nach einem arbeitsreichen Tag in fröhlicher Umgebung noch ein Glas Wein zu trinken. Das Lokal gehört nicht gerade zu den günstigsten in der Stadt, aber der Gast bekommt immerhin auch einiges geboten.

Zum abgefüllten Barden

Alles in Allem ist dieses Lokal eigentlich völlig durchschnittlich, die Preise, die Qualität, die Einrichtung, die Bedienung, einfach alles. Das Bier ist nicht gepanscht, das Essen schmackhaft, aber eben durchschnittlich. Überdurchschnittlich ist jedoch die Bühne, sie nimmt gut ein Viertel des Raumes ein, und liegt an der tiefsten Stelle des Raumes, die weiter entfernten Tische sind erhöht, so dass man die Bühne von jedem Platz aus mit Blicken und Wurfgeschossen hervorragend erreichen kann, die ganze Anordnung Raumes erinnert quasi an ein Tortenviertel aus einem Amphitheater. Also vielleicht ist es doch nicht ganz so durchschnittlich wie auf den ersten Blick.

Es sei gleich ausdrücklich erwähnt, dass der Musikant auf g a r k e i n e n Fall Trinkgeld erhält, seine Bezahlung besteht aus Frei-Borfak, und darin, dass ihm keine Bierkrügen, Teller oder Bestecke an den Kopf geschmissen werden, wenn die Zuhörer mit seinen Darbietungen zufrieden sind. Das Patentrezept für die garantierte Gunst ist total simpel, deshalb ist es eigentlich völlig unverständlich, das der Besitzer ständig auf der Suche nach Musikanten ist. Seit die Kneipe nach dem Ende des Umbaus vor zwei Tagen wieder eröffnet hat, ließ der Besitzer sogar Zettel in dem ganzen Stadtviertel aushängen, auf denen Barden für die abendlichen Auftritte anwirbt. Die jetzt abgeschlossenen Renovierungsarbeiten wurden notwendig, nachdem ein besonders unfähiger Barde vom Publikum mit den Stühlen erschlagen wurde, die Stühle waren angekettet um solche Zwischenfälle zu verhindern, doch das half in diesem speziellen Fall auch nichts. Aus diesem Grund gibt es jetzt nur noch fest mit dem Boden verschraubte Tische und Bänke, was aber keine Garantie dafür sein soll, das nicht ein völlig dämlicher Barde vom aufgebrachten Publikum auch noch mit diesem Mobiliar erlegt wird, wobei jedoch darauf hingewiesen werden muss, dass die Besucher dieser Kneipe überwiegend friedlicher Natur sind, und sich unter normalen Umständen mit dem Schmeißen von Teller und Bier in Krügen zufrieden geben. Um dieses zu verhindern, muss der Sänger einfach nur darauf achten, das er genauso besoffen ist wie seine Zuhörer, welche ihm seine ihrem Füllzustand angemessene Musik mit lautem, grölendem Gesang danken werden. War es ihm gelungen die Gäste bis zum Schließen der Kneipe bei Laune zu halten, so wird der Besitzer ihm dieses zusätzlich durch ein warmes Bett, eine kostenlose warme Mahlzeit nach dem Aufwachen, sowie, wenn der Barde es wünscht, die Gelegenheit zu einem weiteren Auftritt an einem der nächsten Abende geben.

Auf den dritten Blick sozusagen, ist das Lokal doch sehr ungewöhnlich. Sollte es nämlich einmal Mangel an Barden geben, und das ist bei den Bedingungen nicht grade selten, so hat sich der Wirt noch eine andere Versicherung dafür ausgedacht, dass es jeden Abend zu musikalischer Unterhaltung in seinem Lokal kommt. Er hat drei Trupps von Halb-Trollen angeworben, die durch ganz Dracandria ziehen und nach guten Barden Ausschau halten. Zunächst versuchen sie, diese davon zu überzeugen, im „abgefüllten Barden“ aufzutreten, doch der Ruf dieser Stätte ist weithin bekannt, so dass fast alle ablehnen. Doch Halb-Trolle sind selten zimperlich, wenn es darum geht, ihre Meinung durchzusetzen, der erwählte Barde wird kurzerhand, wenn er im Bereich der Magie nicht zu sehr bewandert ist gefangen genommen und einer „vertrauenswürdigen“ Händlerkarawane nach Tredalor übergeben. Wenig magisch daher, weil es mit solchen Barden in früherer Zeit zu ernsthaften Differenzen gekommen ist. Wenn die Ware sicher in Tredalor ankommt, hinterlegt der Wirt eine der Qualität entsprechende Summe bei der Schatzkammer zu Gunsten des entsprechenden Trupp-Führers, der sie nur selten mit seinen Untergebenen teilt. Der Barde bekommt ein Zimmer, gutes Essen, einen Krug Bier täglich und viel Zeit zu üben, denn er muss in einem Wettkampf mit einem anderen Barden seine Freiheit ersingen oder -spielen. Man sollte nun denken, wenn sie einmal gewonnen haben, wäre sie frei, doch Barden sind selten, wenn man sie erst einmal hat, gibt man sie nicht so schnell wieder frei. Dreimal muss ein Barde gewinnen, um seine Freiheit zu erlangen.

Das Publikum hat schnell gelernt, immerhin hat es darüber zu entscheiden, wer gewinnt oder verliert – der mit den wenigsten Bierkrugtreffern hat zumeist gewonnen. Gefällt ihnen ein Barde, so lassen sie ihn zweimal gewinnen, um seinen Ehrgeiz zu steigern, doch dann kann er lange auf den dritten Sieg warten, auch wenn er eigentlich der bessere ist. Erst, wenn er resigniert und schlechter wird, lassen sie ihn gehen, aber das kann je nach Intelligenz der Barden recht lagen dauern. Die Stadtverwaltung hat nicht gegen diese Praktiken einzuwenden, es hat sich noch niemand darüber beschwert, was hauptsächlich daran liegen mag, dass man es den Barden nicht erlaubt, ihre Zimmer zu verlassen.