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Die Wandelgasse

ist wohl die erste Fußgängerzone Dracandrias. In den Läden an dieser Straße kann man fast alles kaufen, was das Herz begehrt, doch sollte man etwas mehr Geld zu Verfügung haben als ein Durchschnittsbürger. So findet sich hier zum Beispiel der Tischler (L3), bei dem alle Velen ihre Möbel kaufen. Wunderschöne Einlegearbeiten findet man hier, sowohl mit zwei oder mehr verschiedenen Holzarten, als auch mit Edelmetallen wie Gold oder Silber oder als ganz besonderen Schmuck, eingelegte, ganz dünn geschnittene (Halb)edelsteine. Diese Arbeiten haben natürlich ihren Preis, doch spielt Geld bei solch‘ wundervollen Dingen noch eine Rolle? Bei einigen Stücken fragt man sich, ist das noch ein Möbelstück oder schon ein Kunstwerk. Im Besonderen stellt sich mit diese Frage immer wieder, wenn ich den wundervollen Schrank aus Ebenholz und Elfenbein betrachte, der in der hinteren linken Ecke des Ladens im Halbdunkeln steht. Angeblich soll er über 180 Geheimfächer verfügen. Verkäuflich ist er nicht, der Tischler hat ihn einst für einen Herzog gefertigt, der jedoch verstarb, bevor der Schrank fertiggestellt war. Als ein Andenken an diesen hohen Herren steht der Schrank nun seit über 200 Jahren an seinem Platz.

Ein paar Häuser weiter ist die Schneiderei (L6), bei der man einfach fertigen lässt. Ein Gnom ist hier der Meister, das mag auf den ersten Blick verwunderlich sein, doch wenn man einmal seine Fingerfertigkeit im Umgang mit Nadel und Faden gesehen hat, wir er sich nicht mehr wundern. Außerdem hat der Gnom eine „automatische Nähnadel“ erfunden, es ist ein ungeheures Gerät, das es ihm erlaubt, lange, sehr gleichmäßige Nähte anzufertigen. Wie das allerdings funktioniert ist ein Rätsel, doch Magie soll nicht im Spiel sein. Die Kleidung, jedenfalls, die es hier nicht zu kaufen gibt, gibt es nicht. Man betritt die Schneiderei vielleicht schon mit einer vagen Vorstellung und teil sie dem Meister mit, der sogleich in einen kreativen Rausch verfällt, er ergeht sich in Farben, Formen und Stoffen. Am Ende bekommt man etwas garantiert Einmaliges und Exklusives. Natürlich kann man auch ganz normale Alltagskleidung anfertigen lassen, doch da gibt es wahrhaft günstigere Alternativen. Die velenische Damenwelt begibt sich meiner Meinung nach nur auch die verschiedenen Bälle und Feste, um bestätigt zu finden, dass elf selber das schönste und ausgefallenste Kleid trägt.

Auch die anderen Verkaufsstellen bieten nur außergewöhnliche Ware feil. Da die Gasse (ein antiker Name übrigens), sie ist 20m breit, nicht von Fuhrwerke befahren werden darf (nicht einmal im Schrittempo und mit Warnung der Fußgeher) hat jeder Laden einen zweiten Eingang auf der Rückseite, um mit Waren beliefert zu werden. Man hat auch schon gesehen, dass der Abgesandte von Abrinil’s in einigen dieser Geschäfte für seine Gesellschaft eingekauft hat.

Etwas ganz Besonderes findet sich am östlichen Ende der Straße, es handelt sich dabei um ein Haus, das nicht wie gewöhnlich von Erdboden an nach oben gebaut wurde, sondern nach unten. Außerdem ist das Haus so groß und weitläufig angelegt, dass man mit dem Wagen hineinfahren kann. Im Inneren befindet sich eine Vielzahl von abgegrenzten Flächen mit Futter und Wassertrögen sowie Ringen an der Wand, auf denen man seinen Wagen abstellen kann, um dann in Ruhe und zu Fuß seinen Einkäufen nachgehen kann. Gegen eine geringe Gebühr bekommt man seinen Wagen nach dem Einkauf wieder zurück.

Als weitere Geschäfte finden sich: ein Kürschner (R1),der – natürlich, sonst wäre er nicht in dieser Straße – ganz außergewöhnliche Pelzmäntel , -jacken und -umhänge herstellt. Er verarbeitet übrigens alle Felle, die man sich vorstellen kann. Eine Löwenfelljacke ist genauso ungewöhnlich wie ein Rattenfellumhang, doch hier bekommt man sie sicherlich. Einige Felle muss der Kunde jedoch selber mitbringen, man kann ja nicht alles am Lager haben und genügend Mäusefelle für einen Mantel zu bestellen dauert dann doch zu lange.

Ein Porzellanwarenladen (L1) (eine Erfindung der Tuschezeichensprecher). Eine wahrhaft interessante Sache dieses Porzellan. Es ist eine sehr sehr dünne, weiße Tonmasse, die geformt, im Ofen erhitzt wird und danach mit einer Art durchsichtiger Farbe überzogen wird, die jedoch ein Weißes Pulver ist, das ist erst im Ofen zu einer Lackschicht verwandelt. Zwischendurch kann man die Gegenstände natürlich noch mit den phantasievollsten Mustern bemalen. Es werden nicht nur Dinge erstellt, was sage ich geschaffen, die man eventuell gebrauchen könnte (wie Tassen, Teller und ähnliche Dinge), sonder auch gar wunderhübsch anzusehende Figuren und gar ganze Häuser und Städte aus diesem sonderbaren Porzellan. Es lohnt sich, diesen Laden zu betreten, selbst, wenn man nicht gewillt ist, etwas zu kaufen. Doch auf einen Umstand möchte ich doch noch hinweisen: Dieses Porzellan ist sehr zerbrechlich. In diesem Zusammenhang prägten die Tuschezeichensprecher auch das Sprichwort vom „Drachen im Porzellanladen“. Es beschriebt ein Wesen, das sich sehr unachtsam verhält, in der Regel findet dieses Sprichwort in Bezug auf Zwerge Anwendung.

Ein Zuckerbäcker (L2), der vor allem dann bemüht wird, wenn es darum geht, für eine Feier oder ein sonstiges Ereignis von öffentlichem Interesse ganz besondere Objekte aus Teig und Zuckerguss zu erschaffen – Kuchen reicht als Bezeichnung dafür bei Weitem nicht mehr aus. Ich erinnere noch gut an die Geburtstagsfeier eines Senators, als wir in seinem Garten die ganze Schlossinsel in naturgetreuen Farben aber mit Kirschgeschmack fanden – köstlich!

Drei weitere Modeläden und Schneidereien ( R3,R10,L8), sie sind außergewöhnlich, ohne Frage, erreichen aber keinesfalls das Niveau das zuvor beschriebenen Gnomes, doch einer von ihnen hatte es jüngst geschafft, einen neuen Modetrend zu kreieren. Der Schneider hatte sich bei einer Auftragsarbeit derart vermessen, das die Jacke für eine Dame von wirklich hohem Stand deutlich zu kurz ausfiel. Nicht auf den Mund gefallen, behauptete der Schneider, das sei der letzte Schrei auf dem Modesektor. Die Dame, glücklicherweise noch nicht so alt, ließ sich überzeugen und trug die Jacke. Seit dem ist es unter den jugendlichen Velen sehr beliebt, bei Festen, einen freien Bauchnabel zu zeigen.

Zwei Bildergalerien (R4 und R7). Bilder sind ein ganz besonderes Zeichen des velenischen Kunstverständnisses. Es gibt wohl außer der Politik kaum ein Thema, das die Meinungen so weit auseinander gehen lässt, wie die Malerei. Es gibt jedoch alles zu kaufen, von den modernen Bildern, die aussehen, als hätte ein Zwergenbaby mit seinem Bart in Farbeimer getunkt und wäre dann über ein Blatt Papier gekrabbelt, bis hin zu den alten velenischen Meistern, die noch wahre Kunstwerke geschaffen haben. Geld sollte man schon haben, egal was für eine Richtung der Kunst es ist, billig ist nichts.

Ein Meister edler und besonderer Waffen (R2). Er hat sich auf die Anfertigung von etwas – sagen wir einmal – ungewöhnlichen Waffen spezialisiert. Das sind zum einen solche, die man nicht auf den ersten Blick als Waffen erkennt, wie ein Degen in einem Spazierstock, der besonders bei älteren Velen sehr beliebt ist. Zum Anderen sind es sehr kleine aber effektive Waffen, die zur Not auch vergiftet werden können. Man sagt, die Diebesgilden kaufen hier (das ist natürlich nur ein Gerücht). Dieses kleine Messer werden gerne von den Ärzten im Krankenhaus gekauft, um damit ihrer Kunst des Velenzerschneidens-und-wieder-Zusammensetzens zu vollführen.

Ein Heiler auf alchimistischer Grundlage (L5) (auch wenn die Erfolge eher mäßig sind, ist er sehr angesehen). Man sucht ihn für die kleineren Übel auf, die wahrscheinlich auch ohne seine Hilfe früher oder später wieder besser geworden wären, doch der Heiler ist eine Quelle für die neusten Neuigkeiten und Gerüchte. Und welcher Bürger wüsste nicht gerne, was die anderen so reden und vor allem, was über die anderen so geredet wird. Die Heilmittel sind wie gesagt eher mittelmäßig, aber viele der weiblichen Velen schwören auf die Falten glättende Wirkung der Ellenum Be Salbe, die eines der Kunstwerke dieses Heilers ist.

Ein Fenster- und Bleiglaser (R9), der vor allem bemüht wird, wenn die „bessere Gesellschaft“ Häuser baut oder etwas zu reparieren hat. Bewundernswert sind die bunten, Blei gefassten Fensterscheiben, die mehr an Kunstwerke erinnern, als ein Dinge, die nur dazu da sind, Licht in ein Haus zu lassen. Ganz besonders (teuer) sind solche Fenster, die je nach Sonneneinfall verschiedene farbige Schatten auf eine Wand oder den Boden werfen. Beliebt sind in diesem Zusammenhang Familienwappen, mir ist jedoch auch ein Fenster bekannt, das das Portrait seines Besitzers auf der gegenüberliegenden Wand erscheinen lässt und das in einer Qualität, die einen Maler erblassen lassen würde.

Eine Kunstglasbläserei (L4), Eine Teestube (R5), denn Kaffee ist in Tredalor eher selten, man bekommt ihn zwar, aber er ist ungenießbar. Ein Blumengeschäft (L9), das auch alle Gestecke für festliche Anlässe liefert, aber in der Hauptsache Zierpflanzen für Haus und Garten.

Ein Bader (R6),bei dem man sich trifft, um der Körperpflege nachzugehen und die neusten Neuigkeiten auszutauschen. Als wirkliche Besonderheit bietet dieser Bader ein Dampfbad, wie es die Wesen aus den Silberlanden lieben.

Einen Knüpfer für Kunst- und Gebrauchsteppiche (L7). Ein Uhrmacher (R8). Uhren sind nicht Zeitmesser, die Sonne ist deutlich genauer, sondern eher Statussymbole für den Adel. Die genauesten Uhren sind solche, die lediglich den Sonnenstand anzeigen oder durch ein kompliziertes Schöpfwerk Wasser in viele Schüsseln füllen, die dann verschiedene Zeiger in unterschiedliche Stellungen bringen. Der Nachteil an einer solchen Uhr ist allerdings, das man immer die Gebrauchsanweisung zur Hand haben muss, um die Uhrzeit zu erkennen. Uhren, die mit vielen Zahnrädern, Federn und solcherlei Dingen die Uhrzeit auf einer runden Metallscheibe mit Ziffern darauf anzeigen, sind zwar sehr modern und zeigen absolute technische Meisterleitungen, aber die Zeit zeigen sie nur sehr ungenau an.

Ein Tuch- und Handarbeitsladen (R11),denn Handarbeiten aller Art sind unter den Frauen der hohen Gesellschaft sehr beliebt, besonders, um ihr offensichtliches Desinteresse an irgend etwas zu bekunden.

Die Bezeichnungen L und R kennzeichnen die Straßenseiten von der Schlossinsel aus gesehen, die Zahlen zeigen die Reihenfolge aus der selben Richtung. Diese Zahlen findet elf auch an den Hauswänden, bevorzugt über oder neben Eingängen, wieder. Es handelt sich dabei und ein Ordnungssystem, das nach und nach in der ganzen Stadt eingeführt werden soll. Es erleichtert das wiederfinden eines Hauses enorm, vor allem, wenn sie sich so ähnlich sehen wie zum Beispiel in der Werftarbeitersiedlung.